Olafur Gislason: "STRUKTURWANDEL" Cuxhaven
von Nina Möntmann, 2005

Die Fischerei prägt das Stadtbild von Cuxhaven. Ungebrochen baut die Touristikbranche auf diesem Image auf. Ungebrochen und ungeachtet der Tatsache, dass sich die technischen und ökonomischen Bedingungen sowie die politischen und sozialen Realitäten drastisch verschoben haben: ein "Strukturwandel", wie es der Titel der Arbeit Olafur Gislasons benennt. Der Blick auf den Hafen als Produktionsstätte täuscht. Die Fische werden hauptsächlich anderswo gefangen. Als Hauptumschlagplatz in Deutschland fungiert inzwischen der Frankfurter Flughafen. Fisch wird auf dem Landweg, zum Beispiel aus Dänemark und Norwegen zur Weiterverarbeitung nach Cuxhaven gebracht. weiter...

Der Ort sind die Menschen selbst. Ein Gespräch mit Olafur Gislason
von Christiane Meyer-Stoll, 2003

Christiane Meyer-Stoll:
Fremdsein, Entwurzelung und das Schicksal von Migranten sind wesentliche Motive in deinen letzten Werken. Wie kam es dazu, dass du dich mit diesen Themen beschäftigt hast, und glaubst du, dass dies etwas mit Deiner eigenen Biographie zu tun hat?

Olafur Gislason:
Fremdsein, Ausländersein kenne ich aus eigener Erfahrung sehr gut, da ich seit zwanzig Jahren als Isländer in Deutschland lebe. Ich komme aus einer verwandten Kultur, spreche eine germanische Sprache, Isländisch, und mein religiöser und kultureller Hintergrund ist europäisch. weiter...

Strategien der Schwäche
von Christiane Mennicke, 2003

Was bedeutet eigentlich „Träumen in Hannover“?, fragte ich mich, als ich die Einladung zu Olafur Gislasons Ausstellung erhielt. Eine Aquarellzeichnung war auf dem Einladungsflyer abgedruckt, eine archetypische Darstellung von Räumen, durch Türen miteinander verbunden, der Blick auf eine nach oben offen bleibende Struktur, fragil wie ein Kartenhaus. Hannover war mir nie wie ein Ort zum Träumen vorgekommen. „War ich eigentlich schon einmal in Hannover?“, habe ich mich gefragt, als ich Olafur Gislasons Arbeit im Sprengel Museum Hannover durchschritt, lesend und schwach werdend, ob der Lebenszeugnisse, die dort mit schlichten Mitteln Türen aufstießen zu Biografien, die sich mir zugleich öffneten und verschlossen. weiter...

Hinterbühnen-Ästhetik
von Christoph Behnke, 2003

Olafur Gislasons Arbeiten sind bisher engen Klassifizierungen des Kunstfeldes entgangen, obwohl es keine Probleme bereiten dürfte vor allem seine Medien-Arbeiten etwa unter Nicolas Bourriauds Etikett „relational art“ zu subsumieren, der damit in den 90er Jahren eine Gruppe von künstlerischen Praktiken bezeichnete, die ihren theoretischen Ausgangspunkt in humaner Interaktion und ihrem sozialen Kontext nahmen. Ähnliche Parallelen bestehen zur Idee einer „Partizipationskunst“, die für eine paradigmatische Wende in der avancierten Kunst der 90er Jahre steht. Ungeachtet dieses Diskussionskontextes wollen wir uns an dieser Stelle auf die Frage konzentrieren, welche Art von sozialer Praxis in den Medien-Arbeiten von Gislason thematisiert wird – uns interessiert also weniger, wie die Kunst an dieser Stelle operiert, sondern wie das „Material“, mit dem sie umgeht und von dem sie selbst ein Teil ist, strukturiert ist. weiter...

Die Chancen der Kunst – Olafur Gislasons soziale Praxis
von Isabel Schulz, 2002

Olafur Gislason ist Bildhauer. Er produziert jedoch nicht im herkömmlichen Sinne Objekte, sondern initiiert kreative und soziale Prozesse und entwirft Räume oder wählt Orte dafür aus. Ein wesentlicher Teil seiner skulpturalen Arbeit besteht im Herbeiführen von offenen Situationen, in denen Personen unterschiedlichsten Alters und sozialer Herkunft zu einer verbalen Äußerung oder bildnerischen Umsetzung ihrer Vorstellungen und Befindlichkeiten veranlasst werden. Die jeweiligen Ergebnisse werden anschließend präsentiert. Die kollektive Herstellung ist ebenso charakteristisch für seine künstlerischen Projekte wie das Arbeiten an der Grenze zwischen privatem und Öffentlichem. Kunst wird dabei als Medium für die Öffentlichkeit eingesetzt. weiter...